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Suchtprävention: Gefährdetenhilfe Wegzeichen e.V. zu Gast im Religionsunterricht Klasse 9


Am 29. Mai 2017 besuchten drei ehemals drogenabhängige Männer den evangelischen Religionsunterricht der 9. Klassen. Begleitet wurden sie dabei von dem Betreuerehepaar Gabriele und Wolfgang Isenburg von der Gefährdetenhilfe Wegzeichen e.V., einer christlichen Organisation, die sich seit vielen Jahren für drogenabhängige Männer einsetzt. Die gefährdeten Männer leben in einer Großfamilie mit den Isenburgs und arbeiten vorrangig im Garten- und Landschaftsbau. Ziel der Arbeit ist es, den Männern zu einem drogenfreien Leben zu verhelfen. Dabei spielt die alltägliche Routine aber auch ein vertrauensvolles Zuhause, Unterstützung und Verständnis eine wichtige Rolle. Die Gefährdetenhilfe will jedoch nicht nur Menschen mit Drogenproblemen helfen, sondern auch Prävention leisten. Aus diesem Grund waren sie an diesem Vormittag zu Besuch an der RSG. In seinem kurzen Vortrag machte Isenburg klar, dass es vor allem persönliche Beziehungen sind, die Menschen zum Drogenkonsum verleiteten. Auch der ehrenwerte Versuch, süchtigen Freunden helfen zu wollen, sei oftmals schief gegangen. Helfen könnten sich Abhängige nur selbst. Aussagen wie „Ich hab’s unter Kontrolle“ oder „Ich nehme nur am Wochenende Drogen“, seien höchst alarmierend und bereits Anzeichen für eine Abhängigkeit. Höhepunkt des Vormittags waren jedoch die einzelnen Lebensberichte der drei ehemals drogenabhängigen Männer zwischen 20 und 35. So unterschiedlich ihre Geschichten doch waren, in einer Sache waren sie alle gleich: Ihre Drogenabhängigkeit begann mit dem Konsum von Haschisch. Auf die Rückfrage eines Schülers, wie die Männer zur Legalisierung von Cannabis stünden, machten sie deutlich, dass Haschisch unterschätzt und stark verharmlost würde, denn in zu vielen Fällen sei Cannabis eine Einstiegsdroge. Eindrücklich berichteten die Männer davon, wie sie bereits in ihrer frühen Jugend Drogen konsumierten, meist in Verbindung mit Alkohol, wie sie ihren Konsum anfangs verharmlost hatten und wie sie am Ende vor einem Scherbenhaufen ihres Lebens standen. Etwa 100 Euro benötigt ein Drogensüchtiger täglich. Dass dieses Geld nicht auf legalem Wege beschafft werden konnte, liegt auf der Hand. Einer der Betroffenen gab zu, dass man in der Sucht zu Dingen fähig sei, die man nie für möglich gehalten hätte. Manche Süchtige seien sogar bereit, sich selbst zu verkaufen. In dieser schwarzen Zeit sind alle drei Männer froh, die Chance auf ein drogenfreies Leben bei den Isenburgs bekommen zu haben. Trotz allem wird deutlich, dass der Kampf gegen die Drogen ein lebenslanger sei. Viele Männer habe die Familie Isenburg schon begleitet, trotzdem sei die Rückfallquote und die damit verbundene Todesrate hoch. Der jüngste Zuwachs ist erst seit acht Wochen Teil der Großfamilie und hatte schon Abbruchgedanken. Ein Abbruch könnte für ihn jedoch das Todesurteil sein. Deutlich wird an diesem Morgen, dass der Weg in ein drogenfreies Leben ein schwer ist und dass es umso wichtiger ist, diesen Weg gar nicht erst einzuschlagen. Dass der Besuch der Gefährdetenhilfe auch bei den Schülerinnen und Schülern tiefe Eindrücke hinterlassen hat, wurde durch die Schlussworte eines Schülers deutlich: „Das war so beeindruckend, ich danke euch Dreien, dass ihr den Mut hattet, uns eure Lebensgeschichte zu erzählen. Ich hätte mir das nicht getraut.“ 

Text und Fotos: U. Steudle