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Zukunftsgerechte Stadtplanung: Wissenschaftliches Projekt am Fraunhofer-Institut Stuttgart


„Teilhabe und Mitbestimmung – Wie soll eine zukunftsgerechte Stadtplanung aussehen?“
- Damit beschäftigten sich 24 Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse am Freitag, 10.02.17, im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts. Ziel war es, Erfahrungen in einem simulierten Mitbestimmungs- und Beteiligungsprozess zu sammeln und sich mit räumlicher Darstellung und Planung auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt standen dabei die neuesten Techniken aus dem Bereich „Virtual Reality“.
Veranstaltungsort war das Forschungszentrum „Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation“ in Stuttgart. Eingeladen hatte Studentin und Masterabsolventin Amely Krafft. Sie führte auch – gemeinsam mit Günter Wenzel (Architekt und Leiter des „Virtual Environments“ am Fraunhofer-Institut IAO) – durch die dreistündige Veranstaltung und leitete die Schülerinnen und Schüler bei den Aufgabenstellungen an.

Moderne Stadtplanung ist motivierend, involvierend und partizipierend ausgerichtet. Meist meint das jedoch nur, dass erwachsene Bürgerinnen und Bürger aufgerufen sind, ihre Ideen und Kritiken einzubringen. Warum also nicht auch Jugendliche dazu auffordern, sich zu beteiligen? - Die Schülerinnen und Schüler waren sich in der Vorbesprechung jedenfalls einig: „Wir haben eigene Wünsche, Interessen, und Vorstellungen und bringen deshalb andere Ideen bei der Planung von neuen Bauprojekten ein.“ 

Danach folgte eine gut einstündige Planungs- und Gestaltungsaufgabe. Mit Hilfe von verschiedenen Visualisierungstechniken, wie Stadt- und Gebäudeplänen, 3D-Modellen und dem Virtual-Reality-System, gestalteten die Jugendlichen schließlich nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen die Außenarchitektur eines in Innsbruck neu gebauten Musik- und Theater-Zentrums. Dabei sorgten vor allem die „Cave“ des Instituts, ein Raum mit 3D-Projektionen an Wand und Bodenfläche im Maßstab 1:1, und die VR-Brillen für Staunen und Begeisterung.  – Sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den beiden Lehrerinnen Frau Rumpelt und Frau Schrutz, die die Gruppe an diesem Tag begleiteten. Die VR-Brille ermöglicht das Eintauchen in die virtuelle Darstellung des geplanten Bauprojekts. Die Ansicht lässt sich zoomen und der Blickwinkel verschieben, wodurch Städteplaner einen plastischen Eindruck vom aktuellen Zustand gewinnen; auch davon, wie geplante Maßnahmen und Umbauten wirken.

Nach der Planungs- und Gestaltungsphase in Kleingruppen folgte eine gemeinsame Feedbackrunde. Dabei stellte ein Schüler fest: „Viele Bürger sind, glaube ich, nicht in der Lage, Bauzeichnungen und Pläne zu verstehen. Oder sie können es sich nicht richtig vorstellen, wie das Bauprojekt in der Realität aussehen wird.“ Eine Schülerin ergänzte noch: „Wenn sich die Stadtbewohner, vor allem die Anwohner, in einer Simulation bewegen, erkennen sie wahrscheinlich besser, wie das neue Gebäude oder die neue Außenanlage aussehen und wirken wird.“ Alle Jugendlichen waren sich einig: „Wir sollten auf jeden Fall bei der Gestaltung der Stadt und der Planung von neuen Gebäuden beteiligt werden. Wir verbringen mit unseren Freunden viel Zeit in der Stadt und im Park. Dadurch nehmen wir unsere Umwelt ganz genau wahr und können sagen, was uns fehlt oder was wir gerne anders hätten.“ Abschließend betonte eine Schülerin nochmals: „Die Jugendlichen haben viele guten und kreativen Ideen, andere als die Erwachsenen. Und die Architekten und Städteplaner machen diese Arbeit schließlich täglich und sind daher vielleicht auch “blind“ für die Interessen und Wünsche der Bürger und Anwohner, vor allem der Kinder und Jugendlichen.“

Den Abschluss bildete der Blick hinter die Kulissen. Die Mitarbeiter der Abteilung „Virtual Environments“ vom Fraunhofer-Institut gewährten den Teilnehmenden Einblicke in die Technik des „Virtual-Reality-Systems“ und erläuterten den Einsatz bei der Produktentwicklung, insbesondere in der Automobilbranche.


Fotos:
Amely Krafft, Studentin und Masterabsolventin der Universität Stuttgart